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Nur ein kurzer Einwurf von mir: Wie der Spiegel in seiner Online-Ausgabe berichtete, haben sich einige Politiker zu Wort gemeldet, die den geplanten Börsengang der Deutschen Bahn verhindern wollen. Nicht, weil sie nun die Bedeutung einer staatlich geführten Bahn für die Verkehrsplanung entdeckt hätten. Grund ist vielmehr, daß derzeit weltweit Börsenkurse und Aktienwerte ins Bodenlose fallen und es somit sehr wahrscheinlich ist, daß der Erlös aus dem Aktienverkauf weitaus geringer ausfallen wird als geplant – die Rede ist von höchstens vier Milliarden Euro, und das sind einmalige EInnahmen. Zum Vergleich: Allein im Bundeshaushalt 2008 sind für das Verkehrsministerium 24,4 Mrd Euro eingeplant.

An dieser Stelle möchte ich keinen Roman über das für und wider Bahnprivatisierung verfassen (ich halte die Idee samt ihrer Umsetzung nach wie vor für äußerst bescheiden). Bemerkenswert ist allerdings, daß am Ende vielleicht wieder das Richtige aus den falschen Gründen getan wird – also aus finanziellen Erwägungen heraus. So ist beispielsweise beim Kauf von Automobilen derzeit auch ein Trend hin zum Downsizing zu erkennen, neu angeschaffte Fahrzeuge sind im Mittel kleiner und sparsamer als das alte Modell. Die Vorliebe für umweltschonende, sparsame Fahrzeuge steigt proportional zum Spritpreis und führt in vielen Fällen dazu, daß die Menschen ganz auf ein Auto verzichten. Womit wir wieder bei der Rolle der Bahn bei der Bewältigung des zukünftig zu erwartenden Verkehrsaufkommens wären. Es wäre wirklich schade, wenn wir das gute Tafelsilber unter Wert verscherbeln würden.

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Man stelle sich vor: Beim Großeinkauf im Supermarkt steht man an der Kasse und darf zusätzlich zum Kaufpreis noch zwei Euro extra bezahlen dafür, daß man an der Kasse bedient wird. Also im Klartext: Man kauft etwas und muß dem Verkäufer für die entstandene Mühe noch zusätzlich eine Gebühr zahlen. Nicht einmal die Ferengi im StarTrek-Universum wären skrupellos genug für diese Form der Strafgebühr, wohl wissend, damit potentielle Kunden zu verprellen.

Daher kam die Idee von Bahnchef Hartmut Mehdorn gar nicht gut an, wonach alle Kunden, die ihre Fahrkarte bei leibhaftigen Menschen kaufen möchten, einen “Bedienzuschlag” von 2,50 Euro zu entrichten hätten. Bei Hin- und Rückfahrt also 5 Euro. Plus die Fahrpreiserhöhung von 4%. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich die Privatisierung der Deutschen Bahn für eine schlechte Idee halte.

Was mich noch viel mehr erstaunt, ist die Instinklosigkeit des Bahnchefs (oder wer auch immer die entsprechende Idee hatte). Gerade jetzt, wo die Benzinpreise auf Rekordniveau sind (und sicher nicht mehr nennenswert fallen werden) und Innenstädte zunehmend Autos aus dem Zentrum verbannen, überlegen mehr Menschen als sonst, ob sie tatsächlich ein Automobil benötigen (Anm. des Autors: Selbst meine 83jährige Großmutter, die eigentlich immer mit anderen Leuten im Auto mitgefahren ist, fragte mich neulich, was denn eine Zugfahrt zur nächtgrößeren Stadt kosten würde, die neuen Züge würden ja sehr bequem aussehen).

Will man jedoch die Bereitschaft der Bürger, öffentliche Verkehrsmittel im Nah- und Fernverkehr zu nutzen, fördern, darf man sie nicht gleich durch starke Preiserhöhungen bzw. unverschämte Serviceaufschläge verprellen. Selbst, wenn man bei zynischer Sichtweise damit argumentiert, man hätte wenigstens warten können, bis die Leute ihre Autos verkauft und sich eine Bahncard zugelegt haben, bleibt es bei der Tatsache, daß der Zeitpunkt für Preiserhöhung und Serviceaufschlag (der zurecht nicht kommen wird), äußerst ungünstig gewählt war.

Will man, daß die Konsumenten dauerhaft zu Bahnfahrern werden, darf man die gängigen Vorurteile nicht auch noch fördern – nämlich, daß diese unpünktlich und teuer sei (wobei die Sache mit der Unpünktlichkeit durch Studien längst widerlegt ist). Die Preispolitik ist natürlich absichtlich an den Luftverkehr angelehnt: Hohe Basispreise, Rabatte bei frühzeitiger Buchung, hohe Stornierungskosten. Beispiel:

Der Fahrpreis für eine Bahnfahrt von Hamburg nach München per ICE 2.Klasse beträgt 122 Euro. Für Einzelpersonen ist es eine Überlegung wert, da man während der Fahrt auch noch lesen kann. Dagegen spricht das klassische Argument der Unabhängigkeit, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Reist man zu zwei, dritt oder viert, ist die Reise per Auto allerdings schon wieder günstiger. Das ändert sich widerum, wenn man eine Bahncard besitzt, dann kostet das Ticket bis zu 50% weniger. Ach ja, nimmt man den geringeren Komfort von Regionalverbindungen in Kauf und nimmt sich ein paar Stunden mehr Zeit, kostet die Fahrt nur noch ca. 85 Euro. Und für alle, die es billig mögen: Nimmt man Regionalverbindungen in Kauf und reist am Wochenende, kann man es für 35 Euro schaffen. Übrigens kann man sich dieses auch zu fünft teilen, macht also 7 Euro pro Person, was etwa dem regulären Preis einer Fahrt von Bremen nach Oldenburg entspricht (nur, daß die Strecke, die man mit den selben Kosten zurücklegen kann, etwa 16mal so lang ist). Aber das wäre eine extreme Art zu reisen.

Die Bahn versäumt es allerdings immer noch, potentielle Kunden auf Rabattmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Aktuell wird vor allem das “Dauer-Spezial“-Ticket beworben: Wer eine bestimmte Strecke mehrere Wochen im voraus rechtzeitig bucht, kann für 29 Euro zwischen zwei Städten reisen, das Kontingent ist begrenzt. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu nur sagen: Auch wenn ich meine Fahrten meist sehr früh plane, habe ich es noch nie geschafft, eines der günstigsten Tickets zu erwischen, so daß ich mich lieber nach Alternativen umgesehen habe. Denn auch wenn die regulären Tickets günstiger sein mögen als eine Fahrt mit dem Auto: Die Bahn konkurriert auch mit Fahrgemeinschaften um Fahrgäste.

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