Archiv für die Kategorie: “Meinungen”

Als an der Umwelt und dem Klimawandel interessierten Menschen fällt es einem manchmal sehr schwer zu abstrahieren. Wie sehr ist der Klimawandel ein Thema in der Gesellschaft?

Auch oder gerade die Berichterstattung in den klassischen Printmedien oder deren Online-Ablegern kann auch nicht immer als akute Messlatte genommen werden, momentane Skandale werden hochgepuscht, Sommerlöcher gefüllt und auf die Quote geachtet. Das Thema Klimawandel ist da doch eher kurzfristig von Beachtung.

Eine weitere Methode wäre diese Betrachtung des Klimawandels, mit Google Trends.

Nun, ein Optimist würde sagen, der Klimawandel ist immer noch im Gespräch, und mehr als vor einigen Jahren.

Realistisch betrachtet war der Klimawandel bei Google vor 2 Jahren noch kein großes Thema, erst letztes Jahr kam passend zu den Preiserhöhungen am Jahresanfang und Jahresende ein Interesse an diesem Thema auf. Auch ein wahres Sommerloch kann man erkennen. Warum nun Google Trends? Wieso gerade diese Methode? Nun, das ist irgendwie schon recht einfach. Gerade der “normale Bürger”, der keine wissenschaftlichen Methoden zur Hand hat oder dem es am Expertenwissen mangelt fragt als erstes bei Google an, zu einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit. Und genau diese Gruppe ist es, die über die Folgen der globalen Erwärmung und des Klimawandels informiert werden müssen.
Für 2008 sehen wir ein eher trauriges Bild. Das Thema flaut nach und nach ab, trotz akuter Fälle und verschiedener globaler Extreme über die berichtet wird ist der Klimawandel nicht interessant genug um in der Aufmerksamkeit zu bleiben.
Sicherlich kann man kein absolutes Desinteresse allein anhand dieser einen, nicht sonderlich objektiven Quelle herleiten, doch ein Indiz kann es sein. Klimawandel ist kein beliebtes Thema.
Wie sieht es dann mit der globalen Erwärmung aus?

Leider kein großartig anderes Bild oder? Sicherlich bleibt dieses Schlagwort etwas eher im Gebrauch als der Klimawandel, drückt es die Probleme doch auf einer etwas deutlicheren Art und Weise aus, doch auch hier sind nach einigen Höhepunkten 2007 das Interesse abgefallen.

Es fehlt vielleicht etwas an einem Maßstab, um die Bedeutung der Themen vergleichen zu können. Unabhängig von den Punkten des hohen und des niedrigen Interesse, wie sehr waren diese Themen gefragt?
Da wir uns auf die deutschen Begrifflichkeiten beschränkt haben, nehmen wir auch erstmal lokale Themen aus dem deutsprachigen Raum,die 2007 und 2008 im Gespräch waren.

Fangen wir 2007 mit Heiligendamm an, einem kritischen Thema da dort der G8 Gipfel statt fand. Wie man sehen kann sehr hohes Interesse zum Zeitpunkt des Gipfels, sehr geringes im Vor und auch im Nachfeld. Doch das allgemeine Interesse zum Zeitpunkt des Gifpels ist im ein vielfaches Höher als die Maxima bei der Suche nach Klimawandel oder globaler Erwärmung. Nun, kritische Themen sind vergleichbar abhängig von der Aktualität? Wird also auf den Klimawandel und die globale Erwärmung einfach nicht genug hingewiesen?
Wie wäre es mit einem neuen Mobiltelefon? Oder mit solchen Seiten?

2008 ist nun noch nicht vorbei, doch was für Themen überholen den Klimawandel?
Wer nun auf Europameisterschaft oder die olympischen Sommerspiele getippt hat, den muss ich leider enttäuschen, nur ein kurzes Vergnügen bieten diese Begriffe…

Aber auch dieses Jahr gibt es Themen die den Menschen wichtiger erscheinen als der Klimawandel. Na dann noch einen schönen Herbst!

Share
Schlagwörter: , , ,

Comments Keine Kommentare »

Am letzten Donnerstag zeigte MTV sein Herz für die Umwelt und erklärte den Tag zum Climate Change Day. So wurde auch hier in Deutschland zum ersten Mal die Episode der Tuning-Show “Pimp my ride” gezeigt, in der ein ‘65er Impala mit einem leistungsstarken Biodiesel-Motor ausgestattet wurde. So eindrucksvoll das Ergebnis auch wirkte, es zeigt auch einige regionale Unterschiede auf, was die Vorstellung von “Ökofahrzeugen” angeht. So gehen beispielsweise in Europa nur äußerst sparsame Autos wirklich als Ökofahrzeuge durch, meistens sind dies Kleinwagen mit einem Treibstoffverbrauch von deutlich unter fünf Litern. Auch alternative Antriebe oder Treibstoffe, beispielsweise der gerade erwähnte Fettsäuremethylester (oder auch Biodiesel), Ethanol oder Autogas machen ein Fahrzeug nicht automatisch zum Ökomobil. Das hat natürlich auch Folgen für das Image von Ökofahrzeugen: Sie gelten als ökologisch und meist auch ökonomisch sinnvolle Lösung, aber bekanntermassen sind dies nicht die einzigen Kriterien bei der Kaufentscheidung. So sind sparsame Autos mittlerweile sicherlich weit davon entfernt, im Alltag als Verkehrshindernisse aufzufallen und mit einigen Fahrzeugen, insbesondere modernen Turbodieseln, lassen sich durchaus sportliche Fahrleistungen erreichen. Dennoch lassen sie selten das Herz eines Autoliebhabers höher schlagen, der lieber zur stärker motorisierten Version seines Wunschfahrzeugs greift oder gleich ein grösseres Modell kauft.

In den USA scheint wieder einmal alles etwas anders zu funktionieren. Als erstes fällt auf: Die Fahrzeuge sind meist eine Nummer grösser als anderswo. Im Moment sind Hybridfahrzeuge bei umweltbewussten Amerikanern sehr gefragt, vom relativ kleinen und vielzitierten Prius bis hin zum SUV (wobei anzumerken ist, dass auch ein zweieinhalb Tonnen schwerer Spritfresser mit zusätzlichem Elektromotor immer noch ein zweieinhalb Tonnen schwerer Spritfresser ist).

Und wo wir schon von Elektromotoren sprechen: Auch die reinen Elektrofahrzeuge sehen oftmals etwas anders aus als in Europa oder Asien, wo die Stromfresser meist entweder winzig, langsam oder winzig und langsam sind. So ist der SUT von Phoenix Motorcars ein ausgewachsener Pick-up und der mittlerweile schon berühmte Tesla Roadster erreicht ohne weiteres die Beschleunigungswerte eines Supersportwagens. Die Botschaft, insbesondere beim Tesla, ist klar: ‘Seht her, auch ein Ökoauto ist ein “richtiges Auto!”‘ Es scheint besonders wichtig zu sein, dass man als Amerikaner keine Abstriche in Sachen Alltagstauglichkeit, Fahrspaß und Image machen muss, wenn man ein umweltfreundliches Auto fährt (und für die meisten deutschen Autofahrer scheint das selbe zu gelten).

So wird in den USA offenbar erstmal am Image von sparsamen Fahrzeugen bzw. alternativen Antrieben gearbeitet, bevor es an die tatsächlichen Ersparnisse geht. So mag ein elektrisch betriebener Sportwagen durchaus umweltfreundlich sein – auch wenn er dabei mitbenzinbetriebenen Sportwagen um die Wette fährt. Betrachtet man sich allerdings den eingangs erwähnten Chevrolet Impala, sieht die Sache schon anders aus. In der Show “Pimp my ride” wurde dem Oldie ein 800 ps starker Motor eingepflanzt, der mit Biodiesel betrieben werden kann. Im Laufe der Episode, bei deren Aufzeichnung auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger zugegen war, liess der hochgezüchtete Impala sogar einen Lamborghini Gallardo bei einem Beschleunigungsrennen stehen. Eine sehr eindrucksvolle Demonstration – allerdings auch nicht mehr, denn hierzulande käme kaum jemand auf die Idee, einen 800 ps starken Wagen, der zudem mit dem ökologisch umstrittenen Biodiesel betrieben wird, als Ökofahrzeug zu preisen. Dennoch ist diese “Imagearbeit” vielleicht nicht ganz so unsinnig, wie es auf den ersten Blick scheint, denn gerade in den USA kommen Dieselmotoren gerade erst aus ihrem Nischendasein heraus, galten sie doch lange Zeit als schmutzig und langsam. Ist die Pionierarbeit erst getan, werden die Motoren sicherlich auch in den Staaten von allein sparsamer.

Ist es nun also besser, Ökofahrzeuge zu entwickeln, die niemand kauft? Oder welche, die den Namen eigentlich nicht verdienen? Die Antwort kann in diesem Fall, wie so oft, nicht trivial ausfallen.

Share

Comments Keine Kommentare »

Wenigstens die Kanzlerin ist zufrieden: Angela Merkel bezeichnete die heute erzielte Einigung der G8-Regierungschefs in Heiligendamm als “Riesenerfolg”. Richtig wäre aber wohl eher die Feststellung, dass sich die Anwesenden immerhin darauf einigen konnten, dass man die globale Erderwärmung als Problem anerkennt und etwas gegen die Ursachen unternehmen sollte. Die dabei formulierte Einigung ist allerdings so weit von einer konkreten Aussage entfernt wie es nur eben möglich ist:

Bis 2050 wollen die sieben führenden Industrienationen und Russland eine Halbierung der Emission von Treibhausgasen in Betracht ziehen.(tagesschau.de)

Kritik an dieser Aussage ließ natürlich nicht lange auf sich warten. So bezeichnete Grünen-Bundesvorsitzender Reinhard Bütikofer den vermeintlichen Riesenerfolg der Gipfel-Teilnehmer als “Triumph der Unverbindlichkeit und ein Sieg der Wortklauberei“. “Das ist absolut zu wenig.” ließ Greenpeace verlauten.
Traurigerweise hat Merkel allerdings wohl auch Recht, wenn sie sagt: “Das Höchstmögliche, was zu erreichen war, ist erreicht worden.” Von diesem G8-Gipfel haben sich wohl nur die grössten Optimisten konkretere Zielvorgaben erhofft.

Share

Comments Keine Kommentare »

Eine heute in Frankfurt/Main vorgestellte Klimastudie der Deutschen Bank kommt zu dem Schluß, dass Teile der Wirtschaft vom Klimawandel profitieren werden. So werden die meisten Unternehmen auch nicht nur unmittelbar von den Veränderungen betroffen sein, sondern bereits von staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels, so die Finanzexperten.

Zwar steht in der Studie wohl nichts, was wirklich überrascht, aber wissenschaftliche Untersuchungen sind für die Planungen von Unternehmen eine bessere Grundlage als bloße Vermutungen. Zu den wahrscheinlichen Gewinnern des Klimawandels werden demnach vor allem Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, Maschinenbau und Elektrotechnik, Gen- und Biotechnologie und ganz besonders die Baubranche zählen.

Letztere könnte sogar doppelt profitieren. Natürlich werden Bauunternehmen und branchenverwandte Firmen mehr Aufträge erhalten, um beispielsweise vorhandene Gebäude zu modernisieren und somit energieeffizienter zu machen. Allerdings erwähnt der Spiegel zum selben Thema, dass “die Beseitigung von Schäden nach extremen Wetterereignissen Sonderkonjunkturen auslösen” könnte. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass – so betrachtet – auch Kriege konjunkturfördernd seien (was im Fall der Baubranche nicht einmal falsch wäre). Es bewahrheitet sich jedenfalls, dass eine Belebung der Wirtschaft Gewinner und Verlierer haben kann – so schön es für die Bauunternehmen auch wäre, lauter überflutete Häuser in Hochwassergebieten sanieren zu können, irgend jemand wird den Spaß bezahlen müssen.

Share

Comments 1 Kommentar »

Spätestens nach dem jüngsten Vorstoß des US-amerikanischen Präsident George W. Bush fühlte ich mich, wenn es um die Maßnahmen zum Klimaschutz geht, die auf dem G8-Gipfel besprochen werden sollen, an eine Gruppe von Schülern erinnert, die eine gemeinsame Hausaufgabe abliefern soll. Ewig lange streiten sich alle Beteiligten darüber, was zu tun sei, wer welche Aufgaben übernimmt und wann die Arbeit fertig zu sein habe, und natürlich sind auch alle Schüler mit unterschiedlichem Eifer bei der Sache. Kurz vor der Präsentation meldet sich nun ausgerechnet die grösste Schlafmütze, die im Grunde noch gar nichts zum Gelingen beigetragen hat, zu Wort. Schüler George sorgt jetzt dafür, dass alles erledigt wird. So stellt er die Geschichte jedenfalls vor seinen Eltern dar, deren Rolle in diesem Fall vom amerikanischen Volk gespielt wird. Sobald es jedoch wieder an die Aufgabenverteilung geht, hält sich George mit konkreten Aussagen zurück (“Später, so in 18 Monaten vielleicht.”)

Immerhin, die “US Global Leadership Campaign” hat die Eltern erstmal ruhig gestellt, und sogar der untätige Selbstdarsteller George hat in Tony Blair einen guten Kumpel, der ihm stets zur Seite springt (weshalb der kleine Tony – unter anderem wegen seiner Beteiligung am Irak-Streich – ja auch von seinen Eltern, also dem britischen Volk, von der Schule genommen wird). Von EU-Kommissionspräsident José Manuel gab es jedoch einen ordentlichen Rüffel: “Es ist klar, dass wir eine ehrgeizigere Position der USA brauchen.” Übersetzt: Die faule Sau soll auch was tun!

Und was machen unsere eigenen Kinder? Sie verhalten sich unterschiedlich. Während die derzeitige Klassensprecherin Angela Merkel als Moderatorin versucht, durch möglichst neutrale Äußerungen niemanden vor den Kopf zu stoßen (“Das ist eine wichtige Stellungnahme”), betätigt sich Mitschüler Sigmar weiterhin als Antreiber und Klassenstreber, warnte davor, “man dürfe nicht auf ein trojanisches Pferd hereinfallen”.

Sehr wahrscheinlich also, dass die Rasselbande im Laufe der kommenden Woche nicht mit ihren Aufgaben fertig wird und eigenmächtig den Abgabetermin nach hinten verlegt. Mal wieder. Und damit sie nicht gleich mit dem Unmut der Elternsprecher konfrontiert werden, haben sie auch kurzerhand den Schulhof abriegeln lassen. Da haben wir bei der Erziehung unserer Kleinen wohl alle noch eine Menge Arbeit zu leisten.

Share

Comments 1 Kommentar »

Stellen wir uns folgendes vor:

3 Leute wollen von einem Cafe in Brooklyn zur Ecke First Avenue/East 26th Street in Manhatten.
Einmal mit dem berühmten Yellow Cab, einmal mit der U-bahn und einmal mit einem Fahrrad.
Wer ist der schnellste? Strecke sind knappe 4 Meilen bzw. 6,65 Kilometer.

Um die Spannung vorweg zu nehmen: Fahrrad, Bahn, Auto.
Sicherlich ein Ergebnis das man erwarten könnte, wenn man hinzufügt das dieser Wettbewerb von Transportation Alternatives organisiert wurde, aber schauen wir mal hier:
Die Strecke
Die Fahrerin des Rads brauchte 15! Minuten für die Strecke, was einen guten 26er Schnitt bietet. Dazu muss man sagen das sie vergleichbare Strecken wohl jeden Tag fährt, ihr Rad ist nun auch kein Hollandrad und unfit scheint sie auch nicht wirklich zu sein. Dazu sag ich aber auch nochmal wenn sie vergleichbares jeden Tag macht und immernoch fit genug ist für eine Nachtschicht im Bellevue Hospital kann man dies nicht wirklich als unfair bezeichnen.
Viele Möglichkeiten für Abkürzungen mag es auch nicht geben, zumal sie sich ja auch an die Brücken halten muss. Und ein Rad hat nun auch andere Nachteile, was die Teilnahme an einem Verkehr in NYC angeht.

Der zweite Platz ging an den Bahnfahrer der immerhin nur 4 Minuten später am Ziel war, der Taxifahrer war weitere 4 Minuten später da. Innerhalb von 8 Minuten kann ich mir einen schönen Kaffee trinken, mich frisch machen, notfalls komplett neu einkleiden und vorher noch geduscht haben.
Sicherlich eignet sich ein Rad nicht für jeden, aber dieser kleine Wettbewerb hat gezeigt das die Möglichkeiten des Individualverkehrs nicht auf ein Auto beschränkt bleiben müssen. Und mal ehrlich: nicht nur für die etwas fülligeren New Yorker wäre die ein oder andere Tour mit dem Rad vorteilhaft Deutschland ;-)

Ach, und für all jene die es für Wahnsinn halten mit dem Rad durch NYC zu fahren, und Unfälle oder ähnliches befürchten:
Eat this. Image is nothing. Biking is everything.

Quelle1
Quelle2

Share

Comments Keine Kommentare »

Wir haben es in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach erlebt, dass Umweltthemen überall auf der Tagesordnung standen: Ob es um FCKW-freie Kühlschränke, bleifreies Benzin oder die flächendeckende Einführung von Katalysatoren ging: Hatten Umweltschützer erst einmal einen “Übeltäter” ausfindig gemacht, wurde Öffentlichkeitsarbeit betrieben, die Medien griffen das Thema auf, Politiker wurden von der Öffentlichkeit unter Druck gesetzt und die entsprechenden Maßnahmen und Gesetze gegen den Widerstand von Industrie und Wirtschaft durchgesetzt. Das mag für einige Leute negativ klingen, ist aber in einer Demokratie ein ganz normaler Prozess. Allerdings galt es jedesmal, einen Umstand zu berücksichtigen: Die Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit ist nicht unendlich gross. Meist kann sich ein bestimmtes Thema nur zwei, maximal drei Jahre im Bewusstsein der meisten Menschen halten, danach werden die Umstände entweder als gegeben hingenommen oder – ganz simpel – das Interesse daran geht verloren. Anders ausgedrückt: Hätten Greenpeace und co. nicht innerhalb von wenigen Jahren FCKW-freie Kühlschränke durchgesetzt, wäre danach wohl auch nichts mehr daraus geworden (oder nur gegen sehr grosse Widerstände). Für notwendige Maßnahmen gibt es also ein gewisses Zeitfenster, in dem alles erledigt sein muss.

Wir haben mittlerweile Mai 2007 und es ist gerade einmal ca. sieben Monate her, seit der Ökonom Nicholas Stern seinen Bericht über die ökonomischen Folgen der globalen Erwärmung veröffentlichte (den er im Auftrag der britischen Regierung verfasste). Liest man sich die Äusserungen vieler Menschen über die Ansichten der “Klimahysteriker” durch, scheint es allerdings, dass weite Teile der Öffentlichkeit jetzt schon genug haben vom Thema Klimawandel. Alarmierend, wenn man mögliche Konsequenzen bedenkt. Verständlich, wenn man die zum Teil sehr reisserische Form der Berichterstattung ansieht – im Geiste sind die Alpen bereits eisfrei, die Arktis sowieso und die norddeutschen Küstenstädte vom Meer verschlungen.

Ist dieses Szenario nun zu unglaubwürdig? Oder ist es zu erschreckend, an diese Möglichkeit zu denken?

Im Moment geht es bei den meisten Debatten diesbezüglich um den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO²). Für die einen ist es ein lebensspendendes Gas, für die anderen ein wichtiger Faktor bei der globalen Erwärmung. Ebenso gehen die Ansichten über Ursache und Wirkung bei einer Temperaturänderung auseinander: Nach Ansicht vieler Skeptiker gab es im Laufe der Zeit immer wieder Temperaturschwankungen, der Anstieg der CO²-Konzentration erfolgte jedoch leicht zeitversetzt immer erst danach. Die andere Seite argumentiert dagegen, dass – wenn mehr Kohlendioxid emittiert wird – dieses Gas aufgrund seiner IR-absorbierenden Eigenschaften sehr wohl dafür sorgt, dass die Temperatur auf der Erde ansteigt. Und dass dieser Unterschied messbar sei, selbst wenn der jährliche Anstieg der Konzentration lediglich 0,4% beträgt. (Die Auflistung der gängigsten Argumente pro und wider Klimawandel sind hier sehr schön aufgelistet, die Quellen möge jeder selbst überprüfen).

Das grosse Dilemma scheint die Frage zu sein, was man nun glauben soll. Gibt es einen globalen Klimawandel? Und wenn ja, ist CO² überhaupt schuld daran?

Wie bei jedem grossen Themenkomplex ist es für den Einzelnen schwierig bis unmöglich, jedes Argument und jede Quelle auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, für den Laien wie für Wissenschaftler. Selbst letztere dürften das Weltklima noch längst nicht bis ins letzte Detail verstanden haben. Bei so vielen Fakten, Berichten und Ansichten ist es nur eine logische Folge, dass bei der Meinungsbildung jedes einzelnen noch andere Faktoren hinzu kommen – ob nun angeborene Skepsis, ökologischer Fundamentalismus oder einfach ein starker Widerspruchsgeist die Ursache ist. Selektive Wahrnehmung in Sachen Berichterstattung tut dann noch ein weiteres, um die eigene Haltung zu bestärken.

Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Artikel, der gestern bei Readers Edition erschien. Darin kritisiert der Diplom-Biologe Ernst-Georg Beck unter anderem die Studien zum globalen Temperaturanstieg und zur Entwicklung der CO²-Konzentration als falsch und belegt dies anhand einiger Grafiken, in denen er die Fehler dieser Studien herausstellt. Wobei natürlich auch Untersuchungen erwähnt werden, die seine Thesen bestätigen. Die IR-absorbierende Wirkung von Kohlendioxid wird nicht einmal am Rande erwähnt und weshalb die Temperatur über den kurzen Zeitraum (verglichen mit den Zeiträumen zwischen Eis- und Warmzeiten) seit der industriellen Revolution ohne den Einfluß des Menschen gleich um ca. 0,8°C anstieg, wurde auch nicht schlüssig erklärt. Nun kann man natürlich die Methoden der Temperaturmessung kritisieren oder die Glaubwürdigkeit der Quellen untergraben. Aber wenn in einem Bericht mit halbwegs wissenschaftlichem Anspruch Begriffe wie wissenschaftliche Scharlatane, Irrlehre oder ökologische Diktatur gebraucht werden, ist dies sicherlich keine neutrale Betrachtung mehr und kommt statt dessen einer verbalen Bücherverbrennung gleich.
Ist eine erhöhte CO²-Konzentration nun also Ursache oder Folge der globalen Erwärmung? Ein hundertprozentiger Beweis für Kohlenstoffdioxid als Ursache wurde natürlich noch nicht erbracht, die vorgebrachten Argumente für diese These würden vor Gericht wohl als Indizien klassifiziert werden. Allerdings ist ein fehlender Beweis für die eine These noch lange kein schlüssiger Beweis für die Antithese. Was die “Klimahysteriker” befürchten, sollte klar sein: Ressourcenknappheit, Verschiebung der Klimazonen und die damit verbundenen Konsequenzen, steigende Meeresspiegel und somit Überflutungen genau dort, wo Menschen seit sich seit Jahrhunderten gern ansiedeln: In Küstennähe. Und die Gegner der “CO²-Lüge”? Fürchten sie eine “Ökodiktatur”? In der die mächtige Solarlobby sich gegen die armen Energiekonzerne durchsetzt, die Stein- und Braunkohle verfeuern? Oder wollen sie nur für ihr gottgegebenes Recht kämpfen, in einem zwei Tonnen schweren Kraftfahrzeug mit 200 km/h über die Autobahn zu brettern? Wir können uns bereits auf die Zeit freuen, wenn neben der CO²-emittierenden Industrie auch die Landwirtschaft auf’s Korn genommen wird, denn vor allem die Viehzucht (vor hier vor allem die Rinderzucht) steht durch Flächenfraß und die Emission von Methan ebenso im Verdacht, für die Erwärmung des Klimas mitverantwortlich zu sein.
Und wenn erhöhte CO²-Konzentrationen tatsächlich nur die Folge einer Erwärmung sind? Sind die ganzen Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen dann für die Katz’? Mitnichten. Da die Emissionen, um die es hier geht, meist aus Industrie und Verkehr stammen und zur Produktion von CO² auch etwas verbrannt werden muss, reduzieren wir durch höhrere Besteuerung oder gesetzlichen Beschränkungen der Emissionen auch den Brennstoffverbrauch. Fossile Brennstoffe sind nicht in unendlicher Menge vorhanden und nachwachsende Brennstoffe müssen erst produziert werden, was Fläche und Energie kostet. Falls also die Auswirkungen auf das Klima ausbleiben, können wir so wenigstens den Energieverbrauch eindämmen. Anders ausgedrückt: Ob CO² nun klimaschädlich ist oder nicht, ist eigentlich egal: Die Maßnahmen, die die Menschheit zum Schutz des Klimas ergreift, sind mit denen zur Reduzierung des Verbrauchs an Brennstoffen (fossil oder nachwachsend) nahezu identisch. Einzig die aufwändige Abscheidung von Kohlendioxid in Kraftwerken mit anschliessender Lagerung unter Tage wird man sich vermutlich schenken können. Aber auf Dauer bringt es meist ohnehin nur wenig, anfallenden Schmutz unter den Teppich zu kehren.

Share

Comments Keine Kommentare »

Mit Blick auf mein staubtrockenes Gemüsebeet, meinen sterbenden Rasen und mit Sonnenbrand auf Stirn und Nacken versuche ich jetzt mal, die jüngsten Debatten in meinem Umfeld zusammenzufassen. Natürlich ist es offensichtlich, dass die letzten Tage nun doch ungewöhnlich heiss waren, zumindest für den Monat April. Und zudem noch sehr niederschlagsarm. Und trocken. Und nun beginnt natürlich vielerorts der Streit: Ist der heisse April schon ein Beweis für die zunehmende Erderwärmung? Oder ist das ein ganz normaler Ausreisser, die er alle Jubeljahre eben mal vorkommt?

Die eine Seite sagt also:
“Der April 2007 war der heisseste April, den die Wetteraufzeichnung bisher registriert hat. In den letzten Jahren wurden von Jahr zu Jahr neue Temperaturrekorde aufgestellt. Alles eine Folge der kommenden Erderwärmung.”

Das glaube ich erstmal so noch nicht. Ein Indiz vielleicht, aber diese Hitzeperiode ist noch kein schlüssiger Beweis. Ausserdem gibt es zwischem lokalen Wetter und globalem Klima ja noch einen gewaltigen Unterschied, und nicht in jeder Region der Erde ist es um vieles wärmer geworden.

Nun ja, die Klimaskeptiker halten dagegen:

“Die schlauen Klimaforscher haben doch prognostiziert, dass die Frühlingsmonate in Deutschland nass und regnerisch werden, bevor es heiss wird. Dieser Irrtum zeigt jawohl, dass die Menschheit das ganze Weltklima noch überhaupt nicht verstanden hat. Die Prognosen bezüglich der Erderwärmung sind also genauso falsch.”

Die komplette Anti-These also. Wie nun die Skeptiker vom Wetter eines einzigen Jahres schlüssig auf die Folgen für das Weltklima schliessen wollen, mag der Himmel wissen. Man kann nach aktuellem Erkenntnisstand weder das eine noch das andere zu 100% beweisen (die IPCC schätzt die Wahrscheinlichkeit der menschgemachten Erderwärmung immerhin auf 90%).

Welche Motive die “Klimahysteriker” haben, um zu ihrer Behauptung zu stehen, ist unterschiedlich. Die einen haben echte Sorge um die Zukunft der Menschheit, die anderen treibt das Streben nach der besten Schlagzeile, je apokalyptischer desto besser. Ob die Motive der “Klimaskeptiker” nun besser sind? Treibt sie die Sorge um die arme, ausgebeutete Erdölindustrie? Oder wollen sie bei Klimadebatten einfach das letzte Wort haben?

Gut, einige Schlagzeilen erscheinen auf den ersten Blick abenteuerlich. Je nach Zeitung werden im Geiste bereits Hamburg, London und New York versenkt (wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass das längerfristig passieren wird). Aber dass die Skeptiker mit eigenen Scheinargumenten kommen, macht ihre Haltung nicht richtiger. Mein “Lieblingsargument” aus der jüngsten Zeit ist die beliebte Äusserung, im Mittelalter wäre es so warm gewesen, dass die Menschen in England und im Süden Schottlands sogar Wein angebaut hätten. Das muss ja wirklich warm gewesen sein! Allerdings gilt es zwei Dinge zu beachten: Zum einen muss man die Zeiträume betrachten, in denen die Temperaturveränderung stattgefunden hat. Ob es nun einige hundert Jahre gedauert hat oder – wie in der Neuzeit – nur 100 oder gar 50 Jahre, bis messbare Veränderungen auftreten, macht einen gewaltigen Unterschied. Desweiteren muss man den kulturellen und historischen Kontext beachten: Wein wurde vor allem in Kirchen und Klöstern für einige Bräuche verwendet (oder auch einfach so getrunken), und es war in vielen Fällen wohl etwas aufwändig, sich die gesamte Menge an Wein aus dem Mittelmeerraum kommen zu lassen. Also wurde er vor Ort angebaut. Im Übrigen: Wenn man die These “warm war es immer mal wieder” mit dem Argument belegt, vor mehreren hundert Jahren hätte man in Schottland Wein angebaut, so ist dieses Argument nur dann wirksam, wenn dies heutzutage nicht mehr der Fall wäre. Darauf einen  Cairn O’ Mohr.

Schon in anderen Beiträgen habe ich meine Ansicht geschrieben und ich bleibe bei meiner Haltung: Wenn man Energie spart, nachwachsende Ressourcen nutzt oder sonstige umweltschonende Maßnahmen ergreift, so mag man es tun um das Weltklima zu schonen, fossile Energieträger einzusparen, weniger Schadstoffe zu emittieren oder einfach um Geld zu sparen – eigentlich ist das Motiv egal, es kommt unterm Strich auf das Selbe raus.

Share

Comments 1 Kommentar »

Seht dies als Semi-Beitrag, tiefsinnigeres kommt nach dem 30.4. von mir.

Aber ein Hinweis wollte ich heute an diesem Tag noch geben, und zwar auf diesen Artikel hier. Das ganze Thema geht natürlich hinter den Ränkelspielen rund um Quasi-Atommacht Iran unter, die Meldungen über den schwedischen Fast-Gau sind auch vergessen. Die Katastrophe von Tschernobyl sagt den meisten auch nicht mehr wirklich viel. Wir durften damals nicht auf den Spielplatz, Pilze waren auch nicht drin. Immerhin ist als Folge der Reaktionen hierzulande das BMU aus anderen Ministerien abgelöst und als eigenständiges Ministerium gebildet worden. Ob das BMU in ein paar Wochen seinen 21sten feiert aufgrund der neuerlichen Diskussion die “saubere” Energiequelle Atom doch wieder zu nutzen wage ich zu bezweifeln.

Share

Comments Keine Kommentare »

Da derzeit keine grösseren Automobilmessen stattfinden, kann man die Gelegenheit nutzen, sich den Stand der Dinge in Sachen Umweltverträglichkeit anzusehen. Immerhin, auf dem Genfer Automobil-Salon präsentierten sich in diesem Jahr fast alle grösseren Hersteller von ihrer grünen (oder blauen) Seite. Zwar durften auch die PS-Riesen nicht fehlen, doch hervorgehoben wurden diesmal speziell die sparsamen Modelle, die aktuell oder in naher Zukunft auf den Markt kommen. Eine erfreuliche Entwicklung eigentlich, doch auf der anderen Seite hört man von unterschiedlicher Seite auch von den Projekten kleinerer Hersteller, die von der breiten Masse meist weniger beachtet werden. Blickt man dann zurück zu den grossen Herstellern, fragt man sich bei allem Fortschritt schon das eine oder andere Mal “Geht es wirklich nicht besser?”

Beispiel Dieselmotoren: Mit Hilfe moderner Motorentechnik, Leichtbau und ähnlicher Finessen schaffen es Autohersteller wie BMW, Audi oder Mercedes immerhin, Mittelklasselimousinen mit gut fünf Litern Diesel 100 km weit fahren zu lassen, Kompaktwagen brauchen sogar noch etwas weniger. Der Polo BlueMotion von VW kommt sogar mit knapp vier Litern aus – und ist dabei nun wirklich kein minimalistisches Auto, der Dreizylinder-Turbo schafft immerhin 80 PS und das Drehmoment sorgt für eine ordentliche Durchzugskraft. Im Hinterkopf behält man dennoch die Tatsache, dass der vor nicht all zu langer Zeit eingestellte Lupo sogar mit drei Litern Diesel auskam. In diesem Fall musste der Hersteller wohl einige Kompromisse eingehen, um den Preis erträglich niedrig zu halten.

Beispiel Hybridantrieb: Seitdem japanische Hersteller diese Antriebsform populär gemacht haben, versuchen nun die übrigen Hersteller – nicht zuletzt durch den Druck der Medien und der Käufer – diesen technischen Vorsprung aufzuholen und eigene Hybridmodelle anzubieten. Bekanntermassen sind Hybridfahrzeuge im Stop-and-go-Betrieb, besonders im Stadtverkehr, wesentlich sparsamer als ihre Verwandten mit ohne zusätzlichen elektrischen Antrieb. Und wenn ein Auto, wie der Toyota Prius beispielsweise, im Schnitt mit 4,3 Litern Super auskommt, ist das schon bemerkenswert. Wenn man allerdings hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist und dabei sparsam vorwärts kommen möchte, kann man sich auch den Aygo vom gleichen Hersteller kaufen – und noch zwei in Reserve, denn für den Neupreis eines Prius’ bekommt man fast drei dieser Kleinwagen. Und bei grösseren Fahrzeugen ist das Öko-Argument meist auch fehl am Platze – ein über zwei Tonnen schweres SUV ist auch mit Hybridantrieb ein spritsaufendes Monster.

Beispiel Elektroantrieb: Dass man ein Auto auch elektrisch betreiben kann, wusste man schon vor hundert Jahren. Allerdings sind Elektroautos klein, langsam und teuer, dazu haben sie lediglich genug Reichweite, um mal eben zum Bäcker nebenan zu düsen. Die Studien der grossen Autohersteller tun leider alles, um die Vorurteile über Elektrofahrzeuge zu bestätigen. Meist sind es umgebaute Serienfahrzeuge mit Reichweiten zwischen 50 und 80 km. Man könnte natürlich jederzeit ein Elektroauto anbieten, wenn denn erst die Batterietechnik weit genug wäre… Dass längst nicht mehr Blei- oder Nickel-basierte Akkumulatoren Stand der Dinge sind, wird dabei geflissentlich übersehen. Zur Not bleibt der Verweis auf die Brennstoffzelle, die vielleicht in zwanzig oder dreissig Jahren in Serie gefertigt werden kann, in Großserie gefertigt wäre sie dann auch bezahlbar. Wenn dann noch die Infrastruktur für Wasserstoffbetankung stünde… Bis dahin führen uns Fahrzeuge wie eine Studie von BMW auf Basis des 7ers vor, warum Wasserstoff einfach nicht in einen Verbrennungsmotor gehört.

Meist sind es die kleineren Hersteller, Forschungsinstitute oder wagemutigen Pioniere, die neue Wege beschreiten und mitunter revolutionär wirkende Konzepte ausprobieren. Nicht alle dabei entstehenden Fahrzeuge brigen es dabei zur Serienreife, aber bei den meisten darf man davon ausgehen, dass sie in dieser oder ähnlicher Form demnächst oder in den kommenden Jahren gefertigt und verkauft werden. Nicht alle werden dabei zum Kassenschlager, aber aufsehenerregend sind sie doch. Auf jeden Fall verdienen sie Beachtung, daher werden wir hier auf Global Warning in unregelmässiger Folge über einige Projekte berichten.

1. Loremo – Das Streben nach Effizienz

2. OSCAR – Es könnte ja so einfach sein

3. Der rasende Fanartikel

4. Phoenix SUT – Nanotechnik inside

Share

Comments Keine Kommentare »