Ökofahrzeug und Kultur

Am letzten Donnerstag zeigte MTV sein Herz für die Umwelt und erklärte den Tag zum Climate Change Day. So wurde auch hier in Deutschland zum ersten Mal die Episode der Tuning-Show „Pimp my ride“ gezeigt, in der ein ‚65er Impala mit einem leistungsstarken Biodiesel-Motor ausgestattet wurde. So eindrucksvoll das Ergebnis auch wirkte, es zeigt auch einige regionale Unterschiede auf, was die Vorstellung von „Ökofahrzeugen“ angeht. So gehen beispielsweise in Europa nur äußerst sparsame Autos wirklich als Ökofahrzeuge durch, meistens sind dies Kleinwagen mit einem Treibstoffverbrauch von deutlich unter fünf Litern. Auch alternative Antriebe oder Treibstoffe, beispielsweise der gerade erwähnte Fettsäuremethylester (oder auch Biodiesel), Ethanol oder Autogas machen ein Fahrzeug nicht automatisch zum Ökomobil. Das hat natürlich auch Folgen für das Image von Ökofahrzeugen: Sie gelten als ökologisch und meist auch ökonomisch sinnvolle Lösung, aber bekanntermassen sind dies nicht die einzigen Kriterien bei der Kaufentscheidung. So sind sparsame Autos mittlerweile sicherlich weit davon entfernt, im Alltag als Verkehrshindernisse aufzufallen und mit einigen Fahrzeugen, insbesondere modernen Turbodieseln, lassen sich durchaus sportliche Fahrleistungen erreichen. Dennoch lassen sie selten das Herz eines Autoliebhabers höher schlagen, der lieber zur stärker motorisierten Version seines Wunschfahrzeugs greift oder gleich ein grösseres Modell kauft.

In den USA scheint wieder einmal alles etwas anders zu funktionieren. Als erstes fällt auf: Die Fahrzeuge sind meist eine Nummer grösser als anderswo. Im Moment sind Hybridfahrzeuge bei umweltbewussten Amerikanern sehr gefragt, vom relativ kleinen und vielzitierten Prius bis hin zum SUV (wobei anzumerken ist, dass auch ein zweieinhalb Tonnen schwerer Spritfresser mit zusätzlichem Elektromotor immer noch ein zweieinhalb Tonnen schwerer Spritfresser ist).

Und wo wir schon von Elektromotoren sprechen: Auch die reinen Elektrofahrzeuge sehen oftmals etwas anders aus als in Europa oder Asien, wo die Stromfresser meist entweder winzig, langsam oder winzig und langsam sind. So ist der SUT von Phoenix Motorcars ein ausgewachsener Pick-up und der mittlerweile schon berühmte Tesla Roadster erreicht ohne weiteres die Beschleunigungswerte eines Supersportwagens. Die Botschaft, insbesondere beim Tesla, ist klar: ‚Seht her, auch ein Ökoauto ist ein „richtiges Auto!“‚ Es scheint besonders wichtig zu sein, dass man als Amerikaner keine Abstriche in Sachen Alltagstauglichkeit, Fahrspaß und Image machen muss, wenn man ein umweltfreundliches Auto fährt (und für die meisten deutschen Autofahrer scheint das selbe zu gelten).

So wird in den USA offenbar erstmal am Image von sparsamen Fahrzeugen bzw. alternativen Antrieben gearbeitet, bevor es an die tatsächlichen Ersparnisse geht. So mag ein elektrisch betriebener Sportwagen durchaus umweltfreundlich sein – auch wenn er dabei mitbenzinbetriebenen Sportwagen um die Wette fährt. Betrachtet man sich allerdings den eingangs erwähnten Chevrolet Impala, sieht die Sache schon anders aus. In der Show „Pimp my ride“ wurde dem Oldie ein 800 ps starker Motor eingepflanzt, der mit Biodiesel betrieben werden kann. Im Laufe der Episode, bei deren Aufzeichnung auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger zugegen war, liess der hochgezüchtete Impala sogar einen Lamborghini Gallardo bei einem Beschleunigungsrennen stehen. Eine sehr eindrucksvolle Demonstration – allerdings auch nicht mehr, denn hierzulande käme kaum jemand auf die Idee, einen 800 ps starken Wagen, der zudem mit dem ökologisch umstrittenen Biodiesel betrieben wird, als Ökofahrzeug zu preisen. Dennoch ist diese „Imagearbeit“ vielleicht nicht ganz so unsinnig, wie es auf den ersten Blick scheint, denn gerade in den USA kommen Dieselmotoren gerade erst aus ihrem Nischendasein heraus, galten sie doch lange Zeit als schmutzig und langsam. Ist die Pionierarbeit erst getan, werden die Motoren sicherlich auch in den Staaten von allein sparsamer.

Ist es nun also besser, Ökofahrzeuge zu entwickeln, die niemand kauft? Oder welche, die den Namen eigentlich nicht verdienen? Die Antwort kann in diesem Fall, wie so oft, nicht trivial ausfallen.

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