“Wo seid Ihr?” fragte heute die FAZ im Feuilleton ihrer Online-Ausgabe.
Seit Jahren revolutionieren Blogs jetzt schon die Medien. Warum nur merken wir davon nichts? Es wäre an der Zeit, dass sich ein paar Blogger finden, die sich nicht nur an Kochrezepten und Youtube abarbeiten, sondern an Themen wie dem Klimawandel, dem Theater oder der deutschen Außenpolitik.
Wir möchten dem Autoren Harald Staun an dieser Stelle einfach mal nett zuwinken. Auch uns ist nicht entgangen, dass die meisten Blogs sich nicht unbedingt mit lebenswichtigen Dingen befassen – mir kommt es eher vor, als dienten die meisten unter ihnen als Tagebuch-Ersatz. Oder sie sind thematisch so breit gefächert, dass sie ohnehin keine feste Zielgruppe besitzen – und somit keine Stammleser an sich binden.
Überhaupt scheint es eher die Ausnahme zu sein, dass ein Blog so etwas wie Stammleser besitzt. Man muss wohl auch als Blogger neidlos anerkennen, dass die klassischen Medien hier einen nicht zu unterschätzenden Vorteil haben: Sie haben sich in der Medienlandschaft längst etabliert, in den meisten Fällen sind die Print- oder Rundfunkausgaben älter als das Internet selbst. Man könnte bei vielen Zeitungen und Nachrichtenmagazinen auch von einer “Marke” sprechen, die für qualitativ hochwertige Informationen und gut recherchierte Artikel bekannt ist. Welches Blog kann das schon von sich behaupten? Meiner Meinung nach gibt es dafür zwei wichtige Ursachen:
- Blogs sind bereits, wie bereits geschrieben, nicht in der Medienlandschaft etabliert – selbst dann nicht, wenn sie schon mehrere Jahre existieren. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen werden Blogs also von den wenigen Stammlesern besucht – oder von “Laufkundschaft”, die über Links oder Suchmaschinen auf die entsprechende Seite geführt wird. Bis ein Blog also einen höheren Bekanntheitsgrad – nicht gemessen an anderen Blogs, sondern an etablierten Medien – erlangt hat, kann es ziemlich lange dauern. Und da für die meisten Blogs nicht aufwändig geworben wird, steigt die Menge der Leser meist nur über die Anzahl der Verweise auf jenes Blog – der Herausgeber muss entweder viele Freunde haben oder regelmässig interessante Artikel schreiben.
- Blogs werden nach meiner (rein persönlichen) Ansicht noch sehr lange unter ihrem Image zu leiden haben. Oder anders ausgedrückt: Gute Blogs leiden unter der Existenz von schlechten Blogs – und so leid es mir tut, die meisten Blogs sind entweder schlecht geschrieben oder für die Allgemeinheit irrelevant, auch wenn die sogenannte “Blogosphäre” da sicherlich anderer Ansicht ist. Der Grund dafür ist sehr banal: Schlechte Zeitungen werden schnell “wegevolutioniert”, schlechte Blogs nicht – schliesslich kostet es zwischen wenig und gar nichts, selbiges zu unterhalten. So wird das Bild der meisten Menschen also bereits negativ beeinflusst, bevor sie sich zu einem guten Blog durchgekämpft haben.
Und auch wenn die klassischen Medien gern den Konkurrenten aus dem Webzweinull vorwerfen, in den meisten Fällen nur irrelevante Inhalte zu produzieren (siehe den Artikel zu Wikitravel – tja, liebe FAZ, das wart leider auch Ihr), so ganz ist ihr Vorwurf nicht von der Hand zu weisen. Was nicht heissen woll, dass es in all den existierenden Wikis und Weblogs keine relevanten Inhalte gäbe. Sie haben es nur etwas schwerer, sich durchzusetzen.
Nun ja, wie gesagt: Wir sind hier. Und für den Fall, dass uns jemand vorwerfen möchte, wir würden uns selbst auf die Schulter klopfen wollen, möge er unser Augenzwinkern nicht übersehen
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