Auch wenn es jetzt schon etwas mehr als ein Jahr her ist, dass die Münchener Loremo AG ihre Vision von der automobilen Zukunft offiziell einem grösseren Publikum vorstellte, erinnere ich mich noch gut an die gedankliche Zeitreise, die die Berichte über das Fahrzeug bei mir auslöste. Die ersten Autos, die ich in meinen ersten Jahren als stolzer Führerscheinbesitzer gefahren bin, waren betagte Fahrzeuge aus den späten Achtzigern, nicht gerade übermässig, aber ausreichend motorisiert und mit 800 bis 900 kg nach heutigen Maßstäben ziemliche Leichtgewichte.

Dieses Phänomen dürfte jedenfalls schon viele Menschen bemerkt haben: Modellreihen, die vor zwanzig Jahren oder früher noch als Kleinwagen durchgingen, bringen in der aktuellen Generation ein Gewicht von über einer Tonne auf die Waage (beispielsweise der VW Polo mit minimal 1015kg). Oder – wie Autotester in ihren Artikeln gern schreiben – “der XY ist erwachsener geworden”. Zwar kommt der Zuwachs an Gewicht meist dem Platz im Innenraum, der passiven Sicherheit und dem verbesserten Fahrkomfort zugute, dennoch bleibt die berühmte Gretchenfrage, ob man, wenn das Auto nur mit dem Fahrer besetzt ist, für den Transport von knapp zwei Zentnern Fleisch tatsächlich ein zwanzig Zentner schweres Fahrzeug benötigt.

Der im Februar 2006 (Genfer Automobil-Salon) vorgestellte Loremo unterscheidet sich in diesem Punkt radikal von sämtlichen heute erhältlichen Automobilen. Ziel bei der Entwicklung war es, ein Auto zu konstruieren, das seine Insassen so kosteneffizient wie möglich transportiert, sowohl was die Anschaffung als auch die Betriebskosten angeht. Durch konsequenten Leichtbau und weitestgehenden Verzicht auf überflüssige Austattung wiegt der Loremo LS gerade einmal 450kg. Um außerdem den Luftwiderstand so gering wie möglich zu halten, wurden einige ungewöhnliche Massnahmen ergriffen wie z.B. der Verzicht auf seitliche Türen (was allerdings auch der Crashsicherheit zugute kommt). Der Einstieg erfolgt durch die Front- bzw. Heckklappe, was eine gewisse körperliche Fitness erfordern dürfte.
Loremo plant, den Wagen tatsächlich in Serie zu bauen (vorraussichtlich ab 2009), Grund genug, ihn sich näher anzuschauen. Im Innenraum finden immerhin vier Personen Platz, auf zwei Sitzreihen verteilt – Rücken an Rücken übrigens, was für den hinten mitreisenden Passagieren immerhin einen Blick auf den nachfolgenden Verkehr beschert, aber vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Da die Zuladung allerdings ohnehin nicht exorbitant hoch sein soll, wird der Loremo wohl meist ohnehin nur mit ein oder zwei Personen besetzt sein, was Platz für etwas Gepäck lässt. Diese zwei Personen reisen dann allerdings extrem günstig – für den Loremo LS wird ein Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 1,5 Liter Diesel auf 100 km angegeben! Für knapp 35 Euro an Treibstoffkosten käme man also 2000 km weit, was immerhin der Strecke München – Helsinki entspricht. Dank seines niedrigen Gewichts und seines geringen Luftwiderstands reicht ein 20 PS starker 2-Zylinder-Turbodiesel, um den Loremo LS auf eine Geschwindigkeit von immerhin 160 Stundenkilometer zu bringen, die Insassen müssen also nicht befürchten, auf gerader Autobahnstrecke von ungeduldigen LKW-Fahrern angeschoben zu werden. Allerdings braucht der Wagen etwas Anlauf – bis die 100km/h-Marke erreicht ist, sollen 20 Sekunden vergehen, was wohl etwa der Beschleunigung eines VW Käfers entspricht. Welcher dabei allerdings wohl etwa sechsmal soviel Treibstoff verbraucht hätte wie der Loremo. Benzin, nicht Diesel.
Für potentielle Kunden, denen der LS nicht schnell genug ist, wird Loremo wohl auch den stärkeren GT anbieten. Dessen Motor hat einen dritten Zylinder und leistet 50 PS, was dem Wagen wahrhaft sportliche Fahrleistungen beschert – die Höchstgeschwindigkeit soll (überflüssige) 220 km/h betragen, der Spurt auf 100 km/h ist in etwa neun Sekunden erledigt. Allerdings steigt damit auch der Spritverbrauch auf immer noch anständige 2,7 Liter an. Das ist zwar ein ausgezeichneter, aber nicht mehr revolutionär niedriger Wert; Der bereits eingestellte VW Lupo 3L TDI, der infolge der jüngsten Klimaschutzdebatten posthum eine gewisse Berühmtheit erlangte, verbrauchte auch nur knapp 0,3 Liter Diesel mehr, wurde bereits 1999 vorgestellt, wog fast doppelt soviel und bot dem Fahrtwind mehr Angriffsfläche. Dies lässt darauf schliessen, dass im Motor noch Entwicklungspotential steckt, was sich allerdings wohl auch im Preis niederschlagen würde.
Beim Verkaufsstart des Loremo soll der Preis des LS bei unter 11.000 Euro liegen, der Preis des GT immerhin unter 15.000 Euro. Wie viele Kunden sich den Wagen zulegen werden, kann man natürlich noch nicht sagen, nicht zuletzt deshalb, weil es natürlich noch keine Fahrberichte gibt. Das Konzept des Wagen wird vermutlich auf viele Autofahrer etwas befremdlich wirken, zudem ist der Loremo zwar recht günstig, allerdings war der 3-Liter-Lupo zu Produktionszeiten auch nicht teurer als der GT. Allerdings waren damals die Forderungen nach effizienteren Fahrzeugen noch nicht so laut. Wenn sich das spätere Serienfahrzeug bewährt, ist der Loremo auf jeden Fall eine interessante Alternative zu den heutigen Modellen der grossen Automobilhersteller – und vielleicht auch ein Tritt in deren Allerwertesten.

siehe dazu auch:
- OSCAR – Es könnte ja so einfach sein
- Der rasende Fanartikel
- Phoenix SUT – Nanotechnik inside

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Eine Antwort zu “Loremo – Das Streben nach Effizienz”
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